Design: Ein Projektor, der wie ein Möbelstück aussieht
Der erste Eindruck des EF-72 ist ungewöhnlich für einen Projektor: Das Gehäuse aus echtem Eichenholz und einer Stoffverkleidung erinnert eher an einen hochwertigen Bluetooth-Speaker als an ein Projektionsgerät. Epson hat verstanden, dass ein Projektor, der im Wohnzimmer steht, auch dann gut aussehen muss, wenn er ausgeschaltet ist. Die Verarbeitung ist tadellos, die Materialien fühlen sich wertig an. Im Vergleich zu den schwarzen Kunststoffboxen der meisten Konkurrenten ist das ein echter Fortschritt.
Die kompakten Abmessungen machen die Aufstellung flexibel. Ob auf dem Regal, dem Couchtisch oder an der Decke montiert -- der EF-72 fügt sich ein, statt aufzufallen. Das EpiqSense 2.0 Auto-Setup erkennt Hindernisse im Projektionsfeld und passt Keystone sowie Fokus automatisch an. In der Praxis funktioniert das zuverlässig: Aufstellen, einschalten, Bild genießen.
Bildqualität: Überraschend gut für den Preis
Die 3LCD-Technologie ist das Herzstück des EF-72. Im Gegensatz zu DLP-Projektoren gibt es keinen Regenbogeneffekt, was gerade bei weißen Textflächen oder hellen Szenen ein großer Vorteil ist. Die Farbwiedergabe ist natürlich und lebendig -- Epson gibt die Farbhelligkeit mit 1.000 Lumen an, gleichwertig mit der Weißhelligkeit. Das bedeutet in der Praxis: Farben sehen auch bei reduzierter Helligkeit noch kräftig aus.
Das 4K PRO-UHD Pixel-Shifting ist kein echtes natives 4K, sondern eine Technologie, die die physische Auflösung durch schnelles Verschieben der Pixel verdoppelt. Im direkten Vergleich mit einem nativen 4K-Projektor für 2.000+ Euro fällt der Unterschied bei feinen Details auf. Für den Filmabend zu Hause ist die Schärfe jedoch mehr als ausreichend, und der Unterschied zu einem echten 1080p-Projektor ist deutlich sichtbar.
Der dynamische Kontrast von 5.000.000:1 sorgt für tiefes Schwarz in dunklen Szenen und helle Spitzlichter. Sowohl SDR- als auch HDR-Inhalte werden überzeugend dargestellt. Bei schnellen Bewegungen zeigt sich allerdings ein leichtes Ghosting, das bei Sport oder Action-Filmen gelegentlich auffällt. Bei Bilddiagonalen bis 120 Zoll bleibt das Bild scharf; bei den maximal möglichen 150 Zoll wird die Pixel-Struktur bei kurzem Sitzabstand sichtbar.
Sound: Bose-Qualität mit Einschränkungen
Die Partnerschaft mit Bose ist ein cleverer Schachzug. Der integrierte Lautsprecher liefert für einen Projektor einen bemerkenswert vollen Klang mit spürbarem Bass. Für den Filmabend ohne separate Soundanlage reicht die Qualität gut aus. Besonders praktisch: Der EF-72 lässt sich über Bluetooth auch als reiner Lautsprecher nutzen, wenn der Projektor ausgeschaltet ist. Audiophile werden allerdings anmerken, dass der Sound für den Bose-Namen etwas dünn klingt -- besonders bei großen Räumen fehlt es an Raumfüllung. Wer echten Heimkino-Sound will, kommt um eine separate Soundbar oder ein 5.1-System nicht herum.
Smart Features: Google TV als Game-Changer
Hier punktet der EF-72 deutlich gegenüber der Konkurrenz. Google TV ist vollständig integriert, inklusive Netflix, Disney+, Amazon Prime Video, YouTube und dem gesamten Google Play Store. Das macht externe Streaming-Geräte überflüssig und vereinfacht die Bedienung erheblich. Die Fernbedienung ist übersichtlich gestaltet und die Navigation flüssig. Sprachsteuerung über Google Assistant funktioniert zuverlässig für die Suche nach Inhalten. Updates kommen regelmäßig und halten das System aktuell.