Einrichtung: In 10 Minuten druckbereit
Der QIDI Q1 Pro kommt fast vollständig vormontiert. Auspacken, Filamenthalter befestigen, Filament einlegen, einschalten – fertig. Die automatische Kalibrierung übernimmt Bettleveling und PID-Tuning eigenständig. Innerhalb von knapp 10 Minuten nach dem Öffnen des Kartons lief unser erster Testdruck. Das ist besonders für Nutzer interessant, die von einem Bausatz-Drucker kommen und wissen, wie frustrierend stundenlange Ersteinrichtung sein kann.
Der Touchscreen führt durch die einzelnen Schritte, und die mitgelieferte Micro-SD-Karte enthält bereits vorbereitete Testmodelle. OrcaSlicer ist der empfohlene Slicer, und QIDI stellt einen eigenen Fork mit voreingestellten Druckprofilen bereit. Wer bereits mit OrcaSlicer, Cura oder PrusaSlicer arbeitet, kann seine vorhandenen Profile als Basis nutzen.
Druckqualität: Wo 400€-Drucker kein Recht haben, so gut zu sein
Die Druckqualität des Q1 Pro hat uns im Test am meisten beeindruckt. PLA-Drucke sind makellos – saubere Oberflächen, präzise Details, minimales Stringing. Beim Speed Benchy kamen wir auf 20 Minuten und 18 Sekunden mit einem Ergebnis, das sich sehen lassen kann. Aber der eigentliche Vorteil dieses Druckers zeigt sich bei technischen Materialien.
ABS und ASA drucken dank der aktiv beheizten Kammer (bis 60°C) absolut problemlos. Kein Warping, keine Risse, keine Delamination. Wir haben mehrere ABS-Teile über Nacht gedruckt und nicht ein einziger Druck ist fehlgeschlagen. Das ist eine Erfahrung, die man bei offenen Druckern in dieser Preisklasse schlicht nicht bekommt. Auch Nylon verhält sich dank der Kammer deutlich besser als erwartet.
Das 350°C All-Metal-Hotend mit gehärteter Stahldüse bedeutet, dass auch Carbon-verstärkte Filamente kein Problem darstellen. Die Düse verschleißt nicht nach wenigen Drucken wie bei Standard-Messing-Düsen. Für den Preis ist dieses Gesamtpaket aus Hotend, Kammer und CoreXY-Kinematik schlicht einzigartig auf dem Markt.
Geschwindigkeit: CoreXY zeigt seine Stärken
Die CoreXY-Kinematik des Q1 Pro ermöglicht Druckgeschwindigkeiten von bis zu 600 mm/s. In der Praxis drucken wir die meisten Teile bei 300–400 mm/s mit hervorragenden Ergebnissen. Bei maximaler Geschwindigkeit entstehen leichte Vibrationen und das Gehäuse gibt Geräusche von sich, die zeigen, dass die Plastikverkleidung nicht so steif ist wie ein Metallrahmen.
Für Funktionsteile und qualitativ hochwertige Oberflächen empfehlen wir Geschwindigkeiten um 250–350 mm/s. Das ist immer noch deutlich schneller als jeder Bettschubser und liefert makellose Resultate. Die Input-Shaping-Kalibrierung kompensiert Vibrationen automatisch und sorgt dafür, dass auch bei höheren Geschwindigkeiten die Druckqualität nicht einbricht.
Verarbeitung: Funktion vor Form
Hier liegt der einzige wirkliche Kritikpunkt. Das Plastikgehäuse des Q1 Pro sieht und fühlt sich nicht nach 400€ an. Im direkten Vergleich mit einem Bambu Lab P1S oder K1 Max wirkt er deutlich günstiger. Die Kunststoffpaneele sind dünnwandig und geben bei Druck leicht nach. Das hat jedoch keinen Einfluss auf die Druckqualität – der innere Rahmen aus Aluminium-Profilen ist stabil und präzise.
Ein weiterer Punkt: Beim Öffnen der Fronttür während eines laufenden Drucks gibt es keine Warnung oder automatische Pause. Bei einem Drucker mit 350°C Hotend und 60°C Kammertemperatur hätten wir uns hier zumindest eine Warnung gewünscht. Die 1080p Kamera funktioniert solide für Fernüberwachung, die zugehörige App ist allerdings standardmäßig auf Chinesisch eingestellt und muss manuell auf Englisch umgestellt werden.
Software & Ökosystem: OrcaSlicer als Basis
QIDI setzt auf einen angepassten OrcaSlicer-Fork mit voreingestellten Profilen für alle gängigen Materialien. Das ist eine kluge Entscheidung, denn OrcaSlicer ist aktuell der leistungsfähigste kostenlose Slicer auf dem Markt. Die Profile funktionieren out-of-the-box gut, können aber natürlich individuell angepasst werden. Die Druckerdaten lassen sich per WLAN übertragen, und die Kamera zeigt den Fortschritt in Echtzeit. Auch Cura und PrusaSlicer werden unterstützt, wobei die OrcaSlicer-Profile am besten optimiert sind.